Passiert es dir auch, dass du in bestimmten Situationen recht haben willst oder musst?

Du hast den Eindruck, dass du auf keinen Fall von deinem Standpunkt abweichen kannst. Es gibt kein links und kein rechts, kein hoch und kein runter. Es gibt nur diesen einen Standpunkt den du never ever loslassen kannst.

Du beharrst auf deinem Recht und lässt dich nicht von deinem Standpunkt abbringen. Am Ende hast du es geschafft und dein Recht behalten.

Für einen kurzen Moment gehst du mit einem Sieger-Gefühl aus der Situation. Doch in Wahrheit hast du dich abgetrennt und somit die Einsamkeit „gewählt“.

Wenn es dir darum geht auf Biegen und Brechen recht zu haben geht das meist nur, indem du dich trennst.

Du trennst dich dabei vom Bezug zu anderen Menschen und deinen eigenen Gefühlen.

Du kannst vor lauter Recht haben wollen nicht mehr im Moment sein.

Du bist bestimmt von dieser einen Sache. Du willst nur noch, dass der andere einsieht und anerkennt, dass du recht hast.

 

Szenenwechsel

„Ich hätte es ja geschafft, aber …“ „Wenn nicht … gewesen wäre, dann hätte ich schon lange …“ „Weil die anderen … konnte ich nicht …“

Kennst du diese Gedanken oder Worte von dir?

Sie haben alle etwas gemeinsam. Sie sind darauf ausgerichtet die Schuld für das Nicht-gelingen oder Nicht-handeln wo anders zu suchen.

Dieses Schuldzuweisen hindert dich daran dich weiterzuentwickeln und deine wahre Größe zu leben.

Egal, ob du die Schuld anderen Menschen, Umständen oder dir selbst zuweist, am Ende steht nur das vernichtende Urteil.

Es vermittelt etwas endgültiges, hinterlässt meist ungute Gefühle und mindert das Selbstbewusstsein.

 

Szenenwechsel

Du sitzt mit drei Kolleginnen in der Mittagspause und ihr unterhaltet euch über Gesundheit. Deine Kolleginnen sind von der Schulmedizin absolut überzeugt und finden alles andere totalen Quatsch. Du selbst gehst aber ganz andere Wege und für dich sind Heilpraktiker, Globuli und Bachblüten auch wirksame Hilfsmittel.

Du willst mitreden weißt aber nicht wie, weil du dich nicht traust deinen Standpunkt zu vertreten. In dir wirbeln die Gendanken nur so herum und am liebsten würdest du einfach gerne deine Meinung sagen.

Krampfhaft suchst du nach Aussagen die harmlos erscheinen aber trotzdem zu dir passen.

Du sagst etwas über ganzheitliche Sichtweise, bleibst aber sehr unkonkret.

Deine Kolleginnen übernehmen mit ihrer Meinung die Führung des Gesprächs und du fügst nur hier und da belanglose Sätze hinzu.

Du traust dich einfach nicht zu dir zu stehen und hast Angst vor Zurückweisung, Lächerlich gemacht zu werden oder ähnliches.

 

Szenenwechsel Ende

Alle drei Beispiele beschreiben die Merkmale der beiden Haltungen die dich unfrei machen oder Dramen auslösen.

Es geht um die Opfer- bzw. Täterhaltung.

Beide beeinflussen deine Art zu denken und zu handeln.

So lange sie unbewusst abgespult werden bestimmen sie dich.

Was bringt dich dazu aus der Opfer- bzw. Täterhaltung zu reagieren?

Es ist dein eigener Schmerz. Der Schmerz den du im Laufe deiner Lebensgeschichte erfahren hast und der dich geprägt hat. Er spiegelt sich in verschiedenen Verhaltensmustern wider und lässt dich unstimmige Dinge tun.

Mit diesem Beispiel möchte ich das verdeutlichen: Ein Kind, Alex, das immer wieder vermittelt bekommt, dass es zu schwach sei, wird im Laufe der Jahre eine intensivere Prägung in diesem Bereich erfahren. Er fühlt sich immer wieder nicht gut genug und abgelehnt von seinen Eltern. Die Demütigungen wegen seiner Schwächen treffen ihn tief. Der Eindruck schwach und nicht gut genug zu sein prägen ihn stark.

Ist Alex Erwachsen könnte es sein, dass er, wenn ihm seine Prägung nicht bewusst ist, mit seinem eigenen Kind ähnlich umgeht, wie er es selbst als Kind erlebt hat.

Gerade weil er verhindern will, dass sein Kind zu schwach wird, greift Alex zu heftigen Mitteln um dem Kind diese Erfahrung der Niederlage, Schwäche und des Abgelehnt-seins zu ersparen. Da Alex in seinem Leben viele schmerzvolle Erfahrungen durch seine vermeintliche Schwäche gemacht hat, will er auf keinen Fall, das seinem Kind das gleiche geschieht. Er will es stark machen und seine erzieherische Maßnahme dafür endet oft in Demütigungen. – Seelische Gewalt.

Sein Kind fühlt sich durch die Demütigungen abgelehnt, hat Schuldgefühle und glaubt nicht gut genug zu sein. Paradoxerweise geschieht genau das Gegenteil von dem, was sich Alex eigentlich für sein Kind wünscht.

Oder besser gesagt, was er sich für sich selbst wünscht. Denn seine Handlungen stammen aus den alten Erfahrungen seiner Kindheit, aus denen er sich befreien will.

Als Vater reagiert Alex aus der Angst heraus, dass das eigene Kind die gleichen bedrohlichen Erfahrungen machen muss, wie er selbst sie erlebt hat. Außerdem versucht Alex sich unbewusst vor dem eigenen Schmerz, den diese Ablehnung in der Kindheit bei ihm ausgelöst hat, zu schützen. Er versucht durch sein Handeln sich selbst zu retten oder eine Lösung für seine eigene ungelöste Situation zu finden.

Die Verstrickung kann der Vater ohne Reflektion und Bewusstwerdung nicht erkennen. Er handelt im Grunde gegen seinen Willen bemerkt es aber nicht Oder kann es nicht verändern.

Das Beispiel zeigt deutlich die Spiegelung und Umkehrung der Opfer- und Täterhaltung.

Es braucht keine besondere Art von Gewalt um den Verlauf dieser Entwicklung von Abwehrmechanismen anzukurbeln.

Jede andere harmlosere Situation bei der eine Person einer anderen in irgendeiner Art „Gewalt“ antut, Macht ausübt oder ähnliches kann genau diese Verdrehung der eigenen Haltung auslösen.

Beschämung, intensive negative Bewertung, das Absprechen von eigenen Gefühlen („Das ist doch nicht so schlimm.“), Ablehnung jeglicher Art kann Auslöser für diese Verdrehung sein.

Was du in deinem Leben bisher erlebt hast, hat dich geprägt und beeinflusst wie du dich verhältst.

Das fühlt sich nicht immer alles gut an und die Seele sehnt sich nach Erlösung von diesem ursächlichen Schmerz. Dieser ursächliche Schmerz bringt dich dazu immer wieder entweder aus der Opfer- oder Täterhaltung zu reagieren.

Beide Positionen fühlen sich nicht frei an und jede Position gibt Verantwortung ab. In der Opferhaltung, weil wir uns hilflos fühlen und vermeintlich nichts tun oder nichts dafür können. In der Täterhaltung, weil wir uns durch wenig einfühlsame Handlungen unser Recht einfordern und trennen bzw. uns schützen, egal, was das mit anderen macht.

In jeder Haltung schwingt etwas Hemmendes mit. Egal ob du aus der Opfer- oder der Täterhaltung heraus reagierst, beide haben ihre Konsequenzen.

Sie versuchen dich auf ihre Weise zu retten, wobei du in jeder Haltung nicht aus deiner Mitte heraus agierst und eher in alten Mustern hängen bleibst. Du reagierst aus der alten Geschichte heraus statt im Moment in echtem Kontakt mit dir selbst und deinem Gegenüber zu sein.

 

Opfer- und Täterhaltung ganz konkret 

 

Opferhaltung

Wir Menschen tun alles was wir tun immer in einer bestimmten Absicht. Das gilt auch für den Opferstandpunkt: Wir erhoffen uns einen Gewinn davon, in dem wir diese Rolle übernehmen. Meist geschieht das unbewusst aus einem unerwünschten Verhalten oder einem Krankheitssymptom. Das nennt man Sekundärgewinn. Als Opfer bekommen wir Aufmerksamkeit, Zuwendung, Verständnis und Trost. Wir geben das Steuer aus der Hand und schieben den anderen die Schuld für unser Unglück zu. So müssen wir selbst keine Verantwortung für unser Handeln übernehmen. Das bedeutet aber auch, dass wir nicht weiterkommen, verharren und dass wir uns klein machen. Wir verlieren dabei unsere Lebensfreude und leiden – unser Gegenüber soll erkennen, dass wir das Opfer sind. Aufopferung ist eine Haltung, die in manchen Religionen oder auch Arbeitsfeldern besonders zu finden ist. Zum Beispiel in Pflegeberufen.

Opferhaltung auf einen Blick:

  • Sie weisen anderen Schuld zu
  • Sie übernehmen keine Verantwortung für ihr Handeln
  • Sie geben das Steuer aus der Hand, sie können handlungsunfähig sein
  • Sie leiden (Selbstmitleid)

 

Täterhaltung

Täter heißt, dass wir gelernt haben, kein oder wenig Mitgefühl mit anderen zu empfinden. Wir identifizieren uns gerne mit der starken und überlegenen Seite. Das heißt nicht, dass Menschen, die eher die Täterhaltung einnehmen grundsätzlich nicht einfühlsam sind. Das bezieht sich immer auf bestimmte Situationen. Täter wirken oft stärker oder stabiler. Wenn wir uns als Täter definieren, nehmen wir das Steuer in die Hand und treffen eine Entscheidung. Allerdings wird vor oder über die Entscheidung nicht unbedingt reflektiert, sondern oft wird sie eher spontan getroffen. Der Täter rettet sich damit aus der Situation, kommt ins Handeln und scheint der Stärkere zu sein.

Täterhaltung auf einen Blick:

  • Sie nehmen das Steuer in die Hand, sie sind handlungsfähig
  • Sie haben kein oder wenig Mitgefühl
  • Sie wirken stärker oder stabiler
  • Sie treffen Entscheidungen

Jetzt hast du einen Eindruck, an welchen Eigenschaften du die beiden Haltungen erkennen kannst. Zumindest soweit, dass du deine eigenen inneren Erfahrungen damit machen kannst. Welche Haltung wirkt in dir?

Überraschung – du brauchst nicht herauszufinden welches deine „Rolle“ ist. Niemand kann nur eine der beiden Haltungen einnehmen. Wir können beide Haltungen in uns tragen und die Situation bestimmt, welche Haltung wir einnehmen. Es läuft meist unbewusst ab und du bemerkst es gar nicht.

Wie schon oben geschrieben können Menschen beide Haltungen ausagieren. Menschen, die die Opferhaltung einnehmen fühlen sich ungerecht behandelt oder verletzt und denken, das gäbe ihnen das Recht, zurückzuschlagen. Sie haben das Bedürfnis eine Art Ausgleich für sich zu beanspruchen. Es kann auch sein, dass Menschen in der Opferhaltung in der Erstarrung verharren und völlig handlungsunfähig sind.

Wenn wir allerdings andere beschuldigen, werden wir selbst zu Tätern. Wir wollen uns rächen und der andere soll sich genauso schlecht fühlen wie wir. – Als wäre das der vermeintliche Ausgleich. Das Opfer erhofft sich dadurch, dass es ihm damit besser geht. Es versucht meist unbewusst die Verantwortung damit abzugeben. Das ist jedoch ein Trugschluss, eine Illusion.

Wir fühlen uns nicht besser damit, dachdem wir eine andere Person beschuldigt haben. Nein, wir Menschen können uns nicht von Rache, Opferhaltung und Anschuldigung nähren.

Ganz im Gegenteil: Das sind Zustände und Gefühle, die uns zu oder eng machen. Dabei kommt kein echtes Wohlgefühl auf, sondern es bringt uns in den Kreislauf von Mangel. Das Opfer beschuldigt den Täter und wird dabei selbst zum Täter. Es will sich rächen, weil der andere sich jetzt auch schlecht fühlen soll. So geht das dann hin und her. – Ein ungesunder Kreislauf.

Es geht uns nicht besser, wenn es dem anderen schlecht geht. Das ist eine große Illusion. Kurzweilig kann ein Gefühl von Erfolg, Überheblichkeit, Überlegenheit oder ähnliches in dir aufwallen. Das sind jedoch alles eher trennende Eigenschaften. Sie trennen uns von anderen und von uns selbst.

Was bleibt ist die Empfindung „Allein-sein“.

Am Wort Überheblich ist das ganz gut nachzuvollziehen: Wir heben uns über jemanden hinweg. Das macht das Begegnen auf Augenhöhe sehr schwer oder unmöglich. Wir spalten uns damit evtl. vom anderen und von uns selbst ab. Wir agieren auf diese Weise auch nicht aus dem Herzen, sondern rein rational aus dem Verstand. Diese Ebene kann man auch Ego nennen.

Es ist erst einmal egal welche Haltung gerade wirkt. Um dich befreien zu können, ist der erste Schritt dir darüber bewusst zu werden, wenn du aus einer der beiden Haltungen handelst.

Um leichter erkennen zu können, wie die Haltung sich zeigt, hier drei konkrete Tipps an denen du sie gut erkennen kannst.

Woran du erkennst, dass du dich in der Opfer- Täterhaltung befindest: 

  • Wenn es dir um das Recht geht!
  • Wenn du dich nicht traust zu dem zu stehen, was wirklich ist!
  • Wenn du woanders die Schuld suchst!

 

Hier noch einmal die Erkennungsmerkmale der jeweiligen Haltungen:

Opferhaltung

  • Sie weisen anderen Schuld zu
  • Sie übernehmen keine Verantwortung für ihr Handeln
  • Sie geben das Steuer aus der Hand, sie können handlungsunfähig sein
  • Sie leiden (Selbstmitleid)

Täterhaltung

  • Sie nehmen das Steuer in die Hand, sie sind handlungsfähig
  • Sie haben kein oder wenig Mitgefühl
  • Sie wirken stärker oder stabiler
  • Sie treffen Entscheidungen

 

Wie du die 3 Tipps konkret nutzen kannst:

Wenn du dich in einer Situation befindest, in der du bemerkst, dass du unbedingt Recht haben willst, dich nicht traust zu dir zu stehen oder die Schuld wo anders suchst, kannst du folgendes tun:

  • Halte inne und atme erst einmal durch.
  • Nimm drei bis vier tiefe Atemzüge und spüre in deine Füße hinein. Nimm wahr, wie deine Füße auf dem Boden stehen und atme.
  • Sage deinem Gegenüber, du brauchst kurz einen Moment zum Nachdenken. In einer Situation, in der das nicht passt, könntest du auch sagen, du musst mal kurz zur Toilette. – Verschaffe dir ein bisschen Zeit und Abstand.
  • Im Gespräch mit dir nahen Menschen, sei ehrlich und teile mit, was wirklich bei dir ist, zum Beispiel: „Ich traue mich nicht ehrlich zu sagen, warum mich … bewegt, weil ich Angst habe du lachst mich aus.“

Diese Schritte geben dir Zeit um im Hier und Jetzt anzukommen und aus der Opfer- bzw. Täterhaltung auszusteigen. Vielleicht kannst du sogar bemerken, was eigentlich gerade bei dir ist, zum Beispiel Angst vor Ablehnung, Sehnsucht nach Anerkennung oder ähnliches.

Wenn du dich nicht nur aus einzelnen Situationen retten willst, sondern selbstbestimmt und frei handeln, empfehle ich dir die Opfer-, Täterhaltung genauer zu erforschen. Je klarer du die Haltungen in dir erforscht hast, desto weniger Kraft haben sie um dich zu bestimmen.

Mit diesem Workbook kannst du dich noch mehr aus dem Drama der Opfer- Täterhaltung befreien. Klicke einfach auf den Button um dir das Workbook und weitere hilfreiche Unterstützung zu holen.

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Raus aus der Anstrengung – rein in deine Lebendigkeit! 

Deine Melanie